Probefahrt mit der Yamaha FJR 1300

Autor: Manfred Gembalies, Bremerhaven
Vorweg, wir sind sprtliche Tourer, die die Berge mit ihren Pässen und Spitzkehren suchen.
Den Tourer benötigen wir zur An-/Abreise (ich fahre stets mit meiner Frau zusammen auf einer Yamaha GTS 1000);
die sportliche Maschine benötigen wir für die Kurven.

Unsere GTS mußte zur Inspektion (hat 50.000 km drauf) und unser Händler bot uns für diese Zeit eine Vorführmaschine, die FJR 1300, zum Testen an.

Foto: Museumsstück (MIG 19) und High Tech

Foto: sportlich, flach und lang

Der erste Eindruck

Falsche Farbe, denn unsere Maschine soll rot sein. Von vorn und schräg von vorn macht sie einen sehr sportlichen Eindruck; kommt gut bei uns an.
Von der Seite gut anzuschauen, kommt sie uns recht lang gestreckt vor. Die Sitzbank, für mich als Fahrer erscheint sie gut, Verwunderung dagegen bei meiner Frau; das hintere ist ja ein richtiger Sitz, na ja . . . Ferner entdecken wir zu unserer Freude einen Kardan, das hat uns eigentlich schon immer gefehlt. Die Reifen (Metzler MZ5) wecken keine Begeisterung, denn so etwas hatten wir auch schon mal drauf, waren dann froh als die endlich mal runtergefahren waren.

Aufgesessen

Dann mal drauf auf das gute Stück. Die Sitzhöhe etwas höher als bei der GTS, geht aber noch (Körpergröße 175 cm). Von hinten hör ich, man (frau) säße etwas komisch (komisch auch der Unterton in ihrer Stimme). Vorn sitze ich ungewohnt "auf" der Maschine, nicht wie von der GTS gewohnt "in" der Maschine. Das Lenkrad recht hoch, sitzen wir beide recht aufrecht und Nase und Armaturen der Maschine sind weit weg. Leichtes Entsetzen dann beim Aufstellen der Scheibe. Per Knopfdruck fährt sie in eine fast senkrechte, recht hohe Position. Optisch paßt das nun überhaupt nicht zur wespenartigen Nase.

hochgestellte Scheibe
 
runtergestellte Scheibe
 

Start

Auf den Druck des Starters scheint die Maschine förmlich gewartet zu haben. Mächtig und tief das Dröhnen. Die Drehzahl bei kaltem Motor allerdings mit fast 2.000 U/min recht hoch, was wegen dem geregelten Kat sein muss, und sie geht auch bald runter.
Riesenüberraschung beim Rausrangieren. Dieses große Teil läßt sich toll jonglieren (sie ist etwa 40 kg leichter als meine GTS), damit kann man toll wenden. Erwartungsgemäß dann die Reaktion auf´s Ziehen am Gas. Drehzahl ist der total egal, sie reagiert augenblicklich und man bekommt sofort eine Ahnung von der Macht, die darin steckt.
Sie beschleunigt rasant und aufgrund des hohen Lenkers betätige ich auch schnell den Verstellknopf für die Scheibe. Beeindruckend für uns der Windschutz hinter der voll aufgestellten Scheibe.

Foto: wendiges Gerät

Foto: Stellung bequem zum Reisen, nichts für die richtigen Kurven

Foto: komfortable Sitzbank
Bei unserer GTS fängt die Unruhe im Kopfbereich für den Sozius bei etwa 160 km/h an, nicht bei der FJR.
Tempo 180; nichts, Tempo 200; immer noch nichts, aber ob die Scheibe hält?! Bei Tempo 220 bin ich mir sicher die hält, Turbulenzen Fehlanzeige. Erst bei 240 Sachen setzen die Turbulenzen ein. Ich bin mächtig beeindruckt!
Nun ein wenig Landstrasse mit Kurven. Die FJR taucht sehr bereitwillig in die Kurven ab, allerdings würde ich jetzt lieber etwas geduckter über dem Tank sitzen, doch das verhindert der hohe Lenker. Als Folge der aufrechten Sitzhaltung findet meine Frau nicht recht den Kontakt zu mir, denn rutscht sie dichter heran, stößt ihr Kinnstück des Helmes gegen meine Schulter.
Für steile, flotte Abfahrten scheint diese Maschine nicht so optimal geeignet. Anders als bei unserer GTS kann meine Frau nicht dicht an mir sitzend um mich herum ihre Hände auf dem Tank abstützen. Bei jedem harten Bremsen rutscht sie somit auf mich drauf, um sofort darauf wieder etwas Distanz zu gewinnen damit ihr Helm nicht an meiner Schulter himmelwärts gerichtet wird.
Jetzt auch nachteilig die hintere Sitzform, da läßt sich die Maschine nicht so zwischen den Schenkeln einklemmen wie bei einer Sitzbank.
Was meine Frau als etwas langweilig empfindet, nämlich die Distanz zur Maschine und Strasse, mag für andere ein Vorteil sein, denn alles wirkt so etwas "harmloser".

Wartung

Alles scheint perfektioniert für lange Touren.
Neben dem wartungsfreien Kardan sidn mir Ölkontrolle, Nachfüllstutzen und Ölfilter aufgefallten. Alles vorbildlich zugänglich.
Auch der Ausfall eines Fernscheinwerfers stellt kein Problem dar, da beide Scheinwerfer zusammen aktiviert sind.

Foto: alles für´s Öl ist gut zugänglich


Leistung und Spritzigkeit

Ich hatte früher nie eine FJ, habe lediglich mal eine kurz probegefahren. Aber die FJR läßt sofort Erinnerungen an die Schwärmereien früherer FJ-Fahrer wach werden. Komfortabel, absolut reisegeeignet mit einem Mordshammer als Motor.
Für mich allerdings überraschend, mit der um 50% leistungsstärkeren JFR (gegenüber meiner GTS) kann ich mich besser an die Geschwindigkeitsvorgaben halten als mit der GTS mit ihren 100 PS. Mit der FJR kann man sicher beim Fahren die Landschaft erheblich mehr genießen, aber für das sportliche Fahren im Berg freue ich mich wieder auf meine quirligere GTS. Hätte ich für unterwegs auch liebend gern einen Kardan, ich weiß nun, dass der im Berg der Kette nicht das Wasser reichen kann.
Aber wer weiß, vielleicht werden wir ja auch bald bequemer, dann ist diese Maschine wieder ein heißer Tip (vielleicht gibt es da ja auch mal einen anderen Lenker dafür), falls ich dann incl. Koffersystem fast 30.000 DM hinlegen möchte.
Übrigens haben wir auch unsere Ansicht über die Bereifung geändert. Für diese Reisemaschine scheint der Metzler MZ doch ideal mit seiner ernormen Kilometerleistung.